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Der Lehrlingslohn

Finanzverhalten und Finanzwissen von Lernenden in der Schweiz

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Die Prognose-Studie von 2018 im Auftrag des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken (VSKB) erhebt, wie Lernende am Anfang ihrer beruflichen Grundausbildung mit dem ersten selbst verdienten Lohn umgehen. Die Resultate zeigen: Lernende sind in der Regel sehr sorgsam im Umgang mit Geld und verfügen über ein gutes praktisches Wissen in alltäglichen Finanzthemen. Weniger alltägliche Finanzaspekte bereiten vielen aber Schwierigkeiten.

Zum Video des VSKB

1. Lernende und ihre finanzielle Situation

Lernende stehen bei Antritt ihrer beruflichen Ausbildung vor mehreren neuen Herausforderungen: Sie müssen sich mit neuen Lerninhalten auseinandersetzen, sich mit einem neuen Tagesablauf arrangieren und sich in einem Unternehmen selbständig zurechtfinden. Und auch in finanzieller Hinsicht betreten viele Lernende Neuland: Typischerweise verdienen die Jugendlichen bei Lehrantritt zum ersten Mal in ihrem Leben regelmässig eigenes Geld in nennenswerter Höhe, werden ökonomisch selbständiger und sind gefordert, für ihr Budget Eigenverantwortung zu übernehmen.

Wie viel Lohn erhalten die Lernenden?
Die Studie berücksichtigt Lernende, die sich im zweiten Ausbildungssemester befinden. Die Höhe der Lehrlingslöhne variiert stark zwischen den Lernenden. Wie hoch der Lohn ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem vom gewählten Ausbildungsberuf, von den regionalen Preis- und Lohnniveaus oder auch von der Betriebsgrösse.

Insofern weist die Höhe der Monatslöhne der befragten Lernenden eine grosse Spannbreite auf. Im Durchschnitt liegen ihr Löhne bei 764 Franken und der Median-Lohn bei 683 Franken. Am häufigsten bekommen die Lernenden im zweiten Semester zwischen 500 Franken und 700 Franken. Mehr als ein Drittel (37%) der Lernenden in dualer Ausbildung erhält zwischen 700 Franken und 1'000 Franken. Lehrlingslöhne über 1'000 Franken sind selten (11%), und noch seltener ist eine monatliche Entlohnung unter 500 Franken (7%).

Wie viel Geld bekommen die Lernenden insgesamt?
Für gut die Hälfte der Lernenden (52%) ist der eigene Lohn die einzige Einkommensquelle. Dagegen erhält knapp die Hälfte der Lernenden über den Lehrlingslohn – und weitere geldwerte Sachleistungen wie Unterkunft und Essen – hinaus zusätzliche finanzielle Zuwendungen. Diese zusätzliche finanzielle Unterstützung der Lernenden kommt im Regelfall aus der Familie (v.a. von den Eltern, aber auch von Grosseltern, Götti und Gotte). Bei einem Drittel der Lernenden liegt der Anteil des Lehrlingslohns an ihrem Gesamtbudget zwischen 75  und 100%. Bei weiteren 15% der Lernenden stammt mehr als ein Viertel ihres Monatsbudgets nicht aus dem eigenen Lehrlingslohn. Dies führt dazu, dass jeder fünfte Lernende über mehr als 1'000 Franken im Monat verfügt.


2. Umgang mit Geld

Die Frage, wie die Lernenden die Herausforderung angehen, eigenverantwortlich mit dem ersten selbstverdienten Geld umzugehen, kann nach den Ergebnissen der Befragung eindeutig beantwortet werden: Es dominiert ein äusserst zurückhaltender und vorsichtiger Umgang mit dem Geld. Die Aufnahme grösserer Schulden oder ein über Einzelfälle hinausgehendes Geldleihen bei Kollegen oder den Eltern, wenn das Budget nicht bis zum Monatsende reicht, ist kaum verbreitet. Sich bei Bestellungen, Abonnementen oder anderen Verträgen ernsthaft zu verschulden, passiert nach eigenen Angaben nur sehr wenigen Lernenden. Dagegen gibt über die Hälfte der Jugendlichen an, im Regelfall auch am Monatsende noch über genug Geld zu verfügen.

Welche Ausgaben tätigen Lernende?
Die finanzielle Verantwortung für ihr Budget übernehmen die Lernenden nicht auf einen Schlag. Vielmehr zeigt sich, dass sich die Verantwortung mit dem Erhalt von eigenem Lohn und mit zunehmendem Alter sukzessive auf immer mehr Ausgabenbereiche ausweitet.

Je höher der Lehrlingslohn ist, desto häufiger geben die Lernenden zu Hause einen Teil ihres Geldes für Unterkunft und Essen ab. Bei Lernenden mit einem Lohn über 1'000 Franken tragen 43% zumindest einen Teil dieser Kosten. Aber auch von den Befragten mit einem Lohn unter 500 Franken leisten 22% einen finanziellen Beitrag zu Essen und Unterkunft.

Ein Bereich, dessen Kosten nahezu alle Lernenden aus dem eigenen Budget zahlen, ist der Ausgang. Von den Befragten mit Lehrlingslohn bezahlen 84% ihre Ausgaben wie Eintrittspreise oder Kosten für Getränke und Essen vollständig oder hauptsächlich selbst.

Die Ausgaben für Kleidung, Wäsche und Schuhe, für das Mittagessen unter der Woche und für
Multimedia wie Musik, Computerspiele und ähnliches finanziert ebenfalls die Mehrheit der Lernenden ganz oder teilweise aus dem eigenen Budget. Wer die laufenden Kosten für das Handy, für Transport und Mobilität sowie für die Hobbys trägt, hängt wesentlich davon ab, ob die Befragten während ihrer Ausbildung einen Lohn beziehen oder nicht. Bei Lernenden ohne Lohn werden die Ausgaben weit überwiegend von den Eltern gezahlt. Bei Lernenden mit Lohn zeigt sich ein anderes Bild: hier zahlen etwa zwei Drittel der Befragten ihre Handyrechnung, ihre Abonnemente und Billette für Bus und Bahn sowie ihre Ausgaben für Hobbys komplett oder teilweise selbst.

Bei der Finanzierung von Ferien und Reisen und auch bei Ausgaben für die Ausbildung können Lernende dagegen häufig auf die Unterstützung der Eltern bauen. Lediglich ein Viertel der Lernenden ohne Lohn beteiligt sich an diesen Ausgaben, und auch bei Erhalt eines Lehrlingslohns muss nur eine Minderheit der Befragten diese Kosten zum hauptsächlichen Teil selbst finanzieren.

3. Finanzkompetenz

Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass die Lernenden über gute praktische Kenntnisse vor allem bei den Finanzthemen verfügen, mit denen sie heute bereits alltäglich konfrontiert sind. Einzig die Berechnung von Zins und Zinseszins bereitet grössere Schwierigkeiten. Lediglich 28% konnten eine Zinseszinsberechnung über zwei Jahre korrekt durchführen.

Wo suchen Lernende Unterstützung bei finanziellen Fragen und Problemen?
Die mit grossem Abstand wichtigste Quelle für Rat und Informationen bei finanziellen Fragen und Problemen sind die Eltern sowie weitere Familienmitglieder: Über zwei Drittel der Lernenden wenden sich bei finanziellen Fragen auf jeden Fall an die Familie. Weitere mögliche Anlaufstellen wie Freunde oder die Banken werden bereits seltener angegangen. Die Möglichkeiten, Ausbildungs- und Lehrpersonen um Rat zu fragen oder Informationen in Internetforen und sozialen Netzwerken sowie in Ratgebern, Zeitschriften oder Büchern zu suchen, kommen für eine Mehrheit der Befragten eher nicht in Betracht. 

Die gesamte Studie ist auf der Webseite des VSKB abrufbar.

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