Pläne-Anlegen im Negativzinsumfeld-Intro

Anlegen im Negativzinsumfeld

Stefan Angele, Leiter Asset Management der LUKB, erklärt im Interview, worauf man beim Anlegen achten sollte.

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Stefan Angele, wie bekomme ich als Privatperson das Negativzinsumfeld zu spüren?

Wahrscheinlich überhaupt nicht, weil die meisten Banken die Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) nicht an alle Kunden überwälzen. Wenn Sie jedoch sehr grosses Bargeld-Guthaben bei einer Bank lagern – sei dies als Privatperson oder als Firma – bezahlen Sie möglicherweise Negativzinsen.

Wie kommt der Negativzins überhaupt zustande?

Im Januar 2015 hat die SNB Negativzinsen auf Girokonten eingeführt. Das heisst: Banken, die ihr Geld bei der SNB deponieren, müssen dafür bezahlen, sofern sie einen bestimmten Freibetrag überschreiten. Zudem hat die SNB ihren Leitzins weiter unter null gesetzt. Beide Massnahmen der SNB erfolgten gleichzeitig zur Aufhebung der Untergrenze von 1.20 Franken pro Euro. Seiter sind aber auch die Zinsen für Obligationenanlagen vielerorts in den negativen Bereich abgerutscht.

Es heisst, sparen mache in diesem Umfeld wenig Sinn. Warum?

Das ist eine sehr pauschale Aussage. Es kommt natürlich darauf an, welches Ziel Sie verfolgen. Was sich aber sagen lässt: Seit Jahren bekommen Sie auf Sparkonten kaum mehr Zinsen, bezahlen aber unter Umständen Gebühren für die Kontoführung oder weitere Dienstleistungen. Hinzu kommt die Inflation. Durch sie verlieren Sparer sowieso – das heisst unabhängig von den negativen Zinsen – über längere Zeit an Kaufkraft und ihre Ersparnisse an Wert.

Was kann ich dagegen tun?

Es ist sicher eine Überlegung wert, einen Teil des Vermögens in Wertschriften zu investieren. Während Sie mit dem klassischen Konto-Sparen faktisch gesehen rückwärts machen, haben Sie mit Wertschriften-Sparen – also der Investition in Wertschriften – die Chance, dass sich Ihr Geld längerfristig vermehrt. So wie es früher dank höheren Zinsen beim Sparen der Fall war.

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 Stefan Angele, Leiter Asset Management

Bereits mit kleinen Beträgen lässt sich zielgerichtet anlegen.

Stefan Angele, Leiter Asset Management der LUKB

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Ist Anlegen immer die bessere Alternative zum Sparen?

Anlegen macht dann Sinn, wenn man Gelder in den nächsten drei und mehr Jahren nicht benötigt. Aber Achtung: Es wäre nicht zielführend, jeden Franken anzulegen. Man sollte immer einen Notgroschen für Unvorhergesehenes sofort verfügbar, also auf dem Sparkonto, haben. Wir raten zu einer Reserve von mindestens drei Monatslöhnen.

Auch gewinnbringend anlegen ist in diesem Umfeld eine Herausforderung.

Das stimmt. Früher haben beispielsweise konservative Anlagestrategien mit vielen Obligationen gut rentiert. Heute ist das komplizierter, denn auch Obligationen haben teilweise eine negative Rendite. Ich beobachte, dass Schweizerinnen und Schweizer im Schnitt nach wie vor eher vorsichtige Anleger sind und gerne risikoarm anlegen.

Wie lautet die wichtigste Grundregel des Anlegens?

Anlagen unterliegen immer Vermögensschwankungen. Das muss man aushalten. Und gleichzeitig über einen bestimmten Zeitraum an der gewählten Anlagestrategie festhalten. Um eine für sich passende Strategie zu finden, lohnt es sich, eine Fachperson beizuziehen.

Welche Fragen sollte man sich vor dem Anlegen stellen?

Als Erstes sollte man ein Budget machen und überlegen: Auf welchen Geldbetrag kann ich in den nächsten Jahren verzichten? Dabei spreche ich von mindestens drei bis fünf Jahren. Als Nächstes kann ich mich fragen: Wie viel Geld kann ich zusätzlich pro Monat auf die Seite legen? Und schliesslich geht es auch um Risikobereitschaft: Welche Schwankungen kann und will ich aushalten?

Wie finde ich heraus, wie risikofreudig ich bin?

Wir unterschieden Risikofähigkeit und Risikobereitschaft. Die Fähigkeit beruht auf objektiven Kriterien, beispielsweise der finanziellen Gesamtsituation. Die Bereitschaft ist ein subjektives emotionales Empfinden und von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Anlageberater helfen, in einem persönlichen Gespräch die individuelle Risikoneigung zu ermitteln.

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Stefan Angele, Leiter Assetmanagement

Das Niedrig- und Negativzinsumfeld dürfte uns noch ein paar Jahre erhalten bleiben.

Stefan Angele, Leiter Asset Management der LUKB

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Ab welchem Betrag macht Anlegen Sinn?

Da gibt es keine Untergrenze. Viele meinen, sie müssten zuerst einen Haufen Geld sparen, bevor sie anlegen können. Das stimmt nicht. Man kann beispielsweise auch monatlich hundert Franken in Wertschriften sparen, dafür gibt es spezielle Fondskontolösungen. Ein Vorteil von regelmässigen Einzahlungen ist zudem, dass man so die Wertschwankungen über die Zeit glättet.

Wie weiss ich, in was meine Gelder investiert werden?

Es gibt Anlagefonds, die für eine Vielzahl von Anlagestrategien und Anlagewünschen passen. Deren Ausrichtung und die darin enthaltenen Positionen sind transparent und öffentlich verfügbar. Für grössere Beträge besteht auch die Möglichkeit, ein individuelles Vermögensverwaltungsmandat zu vergeben, um volle Transparenz zu haben.

Die LUKB hat im Jahr 2020 den Scope Award gewonnen. Wofür?

Der Scope Award ist eine der bedeutendsten Auszeichnungen für Fonds- und Asset-Manager. Wir wurden in der Kategorie Spezialanbieter Schweiz – das sind mittelgrosse Anbieter – für unsere Fondspalette zum Sieger gekürt. Es hat also nicht ein einzelnes Produkt einen Award gewonnen, sondern unser gesamtes Angebot sowie unsere Arbeit als Fondsverwalter.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich das Zinsumfeld entwickeln?

Das Niedrig- und Negativzinsumfeld dürfte uns noch ein paar Jahre erhalten bleiben. Es kann zwar sein, dass die Zinsen über die Zeit wieder leicht steigen. Aber so hohe Zinsen wie früher wird es in den nächsten Jahren wohl kaum mehr geben.

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