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Nachfolge in der Familie: eine Option unter vielen

Sensibilisiert die Schweizer Unternehmerinnen und Unternehmer für das Thema Nachfolgeregelung: Jörg Sennrich, Geschäftsführer KMU Next.

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Eigentlich müsste die erfolgreiche Übergabe des Betriebs an die nächste Generation die Krönung eines erfolgreichen Unternehmerlebens sein. Trotzdem tun sich viele KMU-Inhaber schwer damit. Warum?

Jörg Sennrich: Einen Betrieb übergeben, heisst sich selber als Chefin, als Chef überflüssig machen. Allein die Vorstellung, nicht mehr gebraucht zu werden, kann einen ungeheuren emotionalen Druck erzeugen. Viele Patrons weichen dem aus, indem sie die Gedanken an die Zeit danach verdrängen. Bis es zu einem externen Schock kommt; ausgelöst zum Beispiel durch eine Scheidung oder eine Krankheit. Was im schlimmsten Fall folgt, ist eine unkontrollierbare Kettenreaktion, die zum Verlust eines Lebenswerkes führen kann.

Mehr als jedes sechste KMU in der Schweiz sucht einen Nachfolger. Wie hoch ist der Prozentsatz derer, die scheitern werden?

Um das vorauszusagen, bräuchte man belastbare Daten aus der Vergangenheit. Die gibt es aber nicht. Sicher ist nur, dass jede ungesteuerte Liquidation Steuereinnahmen, betriebliches Knowhow und Arbeitsplätze kostet. Nehmen wir das Beispiel Arbeitsplätze: Unseren Schätzungen zufolge beschäftigen die nachfolgefälligen Unternehmen zurzeit rund 500 000 Menschen. Ein einfacher Dreisatz zeigt, dass schon eine Ausfallquote im tiefen, einstelligen Bereich zu beträchtlichen Jobverlusten führt.

Sie beobachten den Nachfolge- und Übernahmemarkt seit bald zehn Jahren aus professionellem Interesse. Was ist Ihre Einschätzung, wird es für Unternehmerinnen und Unternehmer leichter oder schwieriger, Nachfolger zu finden?

Ganz klar schwieriger.

Weshalb?

Zu nennen ist da in erster Linie der stete Rückgang der familieninternen Nachfolgerinnen und Nachfolger. Vor 20 Jahren lag die Quote noch bei 50 Prozent. Zurzeit liegt sie bei 40 Prozent ‒ Tendenz sinkend. Die Mitglieder der sogenannten Generation Y, die in den 80iger und 90igerjahren geboren wurden, schätzen eine gute Work-Life-Balance, arbeiten gerne in Teams, sind weniger an Status oder Titeln interessiert und bewerten die Sinnhaftigkeit des Tuns bei der Jobsuche höher als den Lohn. Für diese jungen Menschen ist die Nachfolge im elterlichen Unternehmen eine Option unter vielen.

Der von Ihnen angesprochene soziologische Trend lässt den Kreis der Bewerber auch bei ausserfamiliären Nachfolgen kleiner werden…

Durchaus; zumal die Jahrgänge der Generation Y generell geburtenschwach waren. Dazu kommt ein hausgemachtes Problem, das vor allem die gewerblichen Branchen trifft. Ich spreche von der laufenden Erhöhung der Maturitätsquote. Wenn immer mehr Jugendliche studieren, schrumpft die Zahl der schulisch starken Berufsleute. Wer aber Mühe im Schreiben und Rechnen hat, wird sich auch schwertun, ein Unternehmen zu übernehmen und später zu führen. 

Was empfehlen Sie einem Unternehmer jenseits der 50, der sich noch nicht mit seiner Nachfolge auseinandergesetzt hat?

Wer seine Nachfolge plant, befindet sich automatisch im Zentrum dessen, was ich ein Erwartungskarussell nenne. Allein das fortschreitende Alter der Unternehmerin oder des Unternehmers sorgt dafür, dass der Ehepartner, die Kinder, die Mitarbeiter, aber auch die Kunden und Lieferanten sich Gedanken über die Zeit danach machen. Deshalb muss ich erstens meine eigenen Erwartungen artikulieren und zweitens dafür sorgen, dass sich auch die anderen Betroffenen offen aussprechen. 

Was, wenn sich herausstellt, dass sich nicht alle Pläne und Hoffnungen verwirklichen lassen?

Das passiert meiner Erfahrung nach praktisch immer. Aber wenn gegenläufige Erwartungen erst einmal auf dem Tisch sind, lässt sich damit mit umgehen. Entscheidungen, die niemandem wehtun, gibt es nicht. Das braucht man Unternehmerinnen und Unternehmern normalerweise nicht zu erklären.

Verifizierte Käuferprofile

Initiiert vom Luzerner Unternehmer und Politiker Otto Ineichen steht der Verein KMU Next seit bald 20 Jahren im Dienst der Schweizer Unternehmerinnen und Unternehmer. Die Geschäftsleitung um Jörg Sennrich sensibilisiert, informiert, berät und bringt abtretende Unternehmer mit potentiellen Nachfolgern zusammen. Investoren, Berufsleute und Kadermitarbeiter haben die Möglichkeit, sich bei KMU Next registrieren zu lassen. Der Verein führt ein persönliches Gespräch mit den potentiellen Kaufinteressenten, prüft die Eigenkapitalnachweise und erstellt verifizierte Käuferprofile zuhanden von Unternehmern im Nachfolgeprozess. Seit Anfang 2021 gehört KMU Next zum Partnernetzwerk der LUKB.

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