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Hier erhalten Sie eine Übersicht zu den bisherigen Marktereignissen. Diese Auflistung wird laufend ergänzt.

Finanznews vom 12. April 2017

Investieren in China

Finanznews vom 19. Januar 2017

Investieren in Gold

Finanznews vom 11. November 2016

Die USA nach den Wahlen

Finanznews vom 9. November 2016

Die USA nach den Wahlen

Finanznews vom 13. Oktober 2016

Die USA vor den Wahlen

Finanznews vom 24. Juni 2016

Grossbritanniens Austritt aus der EU («Brexit»)

Finanznews vom 03. Juni 2016

Anlagestudie – «Brexit»

Finanznews vom 12. Februar 2016

von Christoph Sax, Makroökonom, LUKB

Aktuelle Lage an den Finanzmärkten

Die Börsen haben gestern abermals starke Verluste erlitten. Der SMI gab 3% nach, der Euro Stoxx 50 sogar 4%, und der Dow Jones ging mit einem Minus von 1.6% aus dem Handel. Die Verkaufswelle setzte sich in Asien fort. Der Topix notiert aktuell 5% unter dem Vortageswert. Die Futures Kurse deuten darauf hin, dass Europas Börsen heute positiv eröffnen werden.
Gold hat im Zuge der Verunsicherung stark zugelegt und notiert auf dem höchsten Stand seit einem Jahr. An den Anleihenmärkten sind Papiere von Schuldnern mit bester Bonität stark gesucht. Anleihen von diversen Banken sowie von Schuldnern minderer Qualität (insbesondere auch von Peripheriestaaten der Eurozone) gerieten hingegen weiter unter Druck.

Hintergrund

Das Anlegervertrauen hat sich erheblich verschlechtert. Die Skepsis basiert auf verschiedenen Auslösern, die sich in den letzten Wochen kumuliert haben und zu einer zunehmenden Befürchtung einer globalen Rezession und einer neuen Finanzkrise führten.

1. Starker Rückgang des Ölpreises

  • Die Finanzlage der Förderländer hat sich massiv verschlechtert. Zur Finanzierung der Staatsausgaben werden vermehrt Anlagen aus Staatsfonds veräussert. Dies wiederum verstärkt den Verkaufsdruck am Aktienmarkt. Gleichzeitig führen Kapitalabflüsse bzw. verminderte Rohstoffeinnahmen zur Abwertung der Währungen bzw. der Veräusserung von Währungsreserven.
  • Rohstoff-Unternehmen geraten mit zunehmender Dauer der Rohstoff-Baisse in finanzielle Probleme.
  • Der Ölpreis hat eine wichtige Funktion als Indikator für die globale Konjunkturlage. Marktteilnehmer befürchten, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession geraten könnte.

2. Wiederkehrende Negativmeldungen aus China
China verzeichnete in den letzten Jahren ein sehr starkes Kreditwachstum. Der von Bankkrediten dominierte Finanzsektor ist jedoch sehr intransparent. Es ist davon auszugehen, dass die Kreditausfälle zugenommen haben. Zudem bleiben Chinas heissgelaufene Festland-Aktienmärkte trotz mehrfacher Markteingriffe der Regierung (u.a. mittels Verkaufsrestriktionen für Grossaktionäre und umfassender Stützungskäufe) unter Abgabedruck, weil die Spekulationsfantasie abgeklungen ist. Der Kapitalabfluss aus China hält an. Dies führte zu Gerüchten, dass Hedge Fonds gezielt auf eine Abwertung des Renminbi spekulieren.

3. Notenbanken werden expansiver
Die Bank of England hat ihren Inflationsausblick erneut reduziert, die Bank of Japan hat Negativzinsen eingeführt, Schwedens Notenbank hat den Leitzins weiter in den negativen Bereich gesenkt und die EZB will weitere Lockerungmassnahmen prüfen. Der Aktivismus der Notenbanken hat das Misstrauen in den Konjunkturausblick und in die Stabilität des Finanzsystems verstärkt.

4. Das Misstrauen gegenüber dem Bankensektor hat zugenommen, Kreditrisiken werden gemieden
Anleger befürchten hohe Kreditausfälle im Rohstoffsektor. Nach den jüngsten Abschreibern bei einzelnen Grossbanken sind zudem Befürchtungen aufgekommen, dass der starke Rückgang der Zinsen sowie eine mögliche weltweite Ausbreitung der Minuszinsregime der Notenbanken die Ertragslage der Banken verschlechtern könnten.

Unsere Einschätzung

1. Es handelt sich in erster Linie um eine Vertrauenskrise. Die Anleger fürchten sich vor einer globalen Rezession und vor einer erneuten weltweiten Finanzkrise. Bislang sind in der Realwirtschaft jedoch kaum Anzeichen einer solchen Entwicklung erkennbar. Die Stimmung an den Börsen ist folglich deutlich schlechter als die effektive Lage der Weltwirtschaft und des Finanzsystems, auch wenn viele rohstoffreiche Länder vor erheblichen finanziellen Problemen stehen und Chinas Wirtschaftswachstum weiter nachlässt. Die Wachstumsverlangsamung in China schlägt sich bereits seit einigen Monaten weltweit negativ im Industriesektor nieder, der in den meisten Ländern stagniert oder rezessive Tendenzen aufweist. Dank der verbesserten Konsumentenstimmung und der soliden Entwicklung des Dienstleistungssektors werden die meisten Industrieländer im laufenden Jahr dennoch ein ähnlich hohes BIP-Wachstum erzielen wie im Vorjahr. Sollte es in den Schwellenländern dennoch zu unerwartet starken Verwerfungen kommen, wäre die US-Notenbank gezwungen, ihre Geldpolitik zu lockern. Dies wiederum würde die Liquiditätsversorgung und die Konjunkturaussichten weltweit verbessern.

2. Der Ölpreisverfall hat nicht nur konjunkturelle Gründe. Er basiert vor allem auch auf einer politisch motivierten Angebotsausweitung verschiedener Förderstaaten. Bei den übrigen Rohstoffen hat die Baisse ihren Ursprung in einer massiven Angebotsausweitung bei gleichzeitig sinkender Nachfrage aus China. Es ist davon auszugehen, dass es im Rohstoffsektor mit zunehmender Dauer der Baisse zu einzelnen Insolvenzen kommen wird. Dies kann auch grössere Produzenten treffen und würde mittelfristig zu einer Bodenbildung bei den Rohstoffpreisen beitragen.

3. Die Ängste vor einer neuen globalen Bankenkrise scheinen übertrieben. Es ist zwar möglich, dass einzelne Institute in Schieflage geraten (in Italien möglicherweise aufgrund der schlechten Qualität der Kreditportfolios, in Schwellenländern über die Exponierung im Rohstoffsektor). Der Bankensektor als Ganzes ist in den Industriestaaten indessen in einer guten Verfassung. Die Gefahr einer Kettenreaktion über Abschreiber im Rohstoffsektor oder in Asien erachten wir als gering, weil die meisten Institute in diesen Bereichen nicht besonders stark exponiert sind. Der Anteil der gefährdeten Kredite im Rohstoffbereich an den gesamten Ausleihungen liegt bei den meisten Grossbanken im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Schwieriger einzuschätzen sind hingegen die Auswirkungen einer potenziellen globalen Ausweitung der Minuszinsregime durch die Notenbanken auf den Bankensektor. Wir gehen davon aus, dass sich die Notenbanken der Risiken insbesondere im Derivatmarkt bewusst sind und behutsam agieren.

Konklusion

1. Basierend auf diesen Überlegungen sind wir zum Schluss gekommen, keine ausserordentliche Anpassung unserer Anlagepolitik vorzunehmen. Wir sehen die aktuelle Panikwelle als Übertreibung und gehen davon aus, dass sich die Situation an den Märkten mittelfristig wieder entspannt.

2. Es ist weiterhin mit hohen Kursschwankungen (in beide Richtungen) zu rechnen, weil die Märkte zurzeit sehr sensibel auf die Veränderung der Nachrichtenlage reagieren.

3. Bei Obligationenanlagen empfehlen wir unverändert, schlechte Bonitäten zu meiden und ein Mindestrating von "A" nicht zu unterschreiten.

4. Bei Aktien bevorzugen wir defensive Dividendentitel. Gegenüber dem Bankensektor bleiben wir vorsichtig eingestellt, weil die verschlechterte Situation an den Finanzmärkten und mögliche Abschreiber in Asien die Ertragslage bei einzelnen Instituten zusätzlich belasten könnten.