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Der Luzerner Wohnungsmarkt hat sich zwischen 2022 und 2025 stark verändert. Der mediale Fokus auf die Preissteigerungen bei den Mieten greift dabei zu kurz.
Steigende Mieten verraten nur die halbe Geschichte. Stefan Jönsson, Immobilien-Experte der Luzerner Kantonalbank, hat diese Zusammenhänge analysiert und seine Ergebnisse am Event «Luzerner Immobilienmarkt 2026» von Mitte März präsentiert. Im Interview erläutert er, warum der Fokus auf steigende Mieten das Gesamtbild verzerrt.
Ja, die Debatte fokussiert stark auf das Preisniveau. Entscheidend für eine saubere Analyse sind aber nicht die absoluten Preise allein, sondern vor allem, wie gross die Auswahl innerhalb eines bestimmten Budgets ist und wie viele Wohnungen tatsächlich neu auf den Markt kommen.
Bezahlbarkeit beschreibt, welche Wohnungen sich Haushalte mit einem bestimmten Budget leisten können. Verfügbarkeit hingegen zeigt, wie viele Wohnungen überhaupt angeboten werden und wie durchlässig der Markt ist. Erst wenn man beide Dimensionen zusammen betrachtet, erkennt man, ob es sich nur um eine temporäre Preisbewegung handelt oder um eine strukturelle Veränderung des Marktes.
Wir beobachten, dass sich vor allem im mittleren Preissegment der Zugang zum Markt erschwert. Das betrifft genau jenen Bereich, in dem sich ein grosser Teil der Nachfrage bewegt. Für Haushalte mit durchschnittlichem Einkommen wird es damit zunehmend anspruchsvoller, eine passende Wohnung zu finden.
Ja, die Unterschiede sind deutlich. Der Preisdruck ist im urbanen Raum besonders stark. In der Stadt Luzern und im engeren Agglomerationsraum hat sich die Auswahl innerhalb gleicher Budgets stärker reduziert als in ländlicheren Regionen. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Die Ausweichbewegung ins Umland funktioniert nur begrenzt, weil sich die Entwicklung zunehmend auf den gesamten Verdichtungsraum Luzern ausdehnt.
Mehrere Faktoren wirken zusammen. Die Nachfrage nach Wohnraum bleibt hoch, während das Angebot nur langsam wächst. Gleichzeitig gelangen relativ wenige Wohnungen auf den Markt, weil bestehende Mietverhältnisse oft lange bestehen bleiben. Auch lange Planungs- und Bewilligungsverfahren sowie begrenzte Bauzonen spielen eine Rolle.
Die Diskussion sollte stärker den gesamten Marktmechanismus berücksichtigen. Neben der Frage der Preise geht es auch darum, wie genügend Angebot entstehen kann und wie der Wohnungsmarkt funktionsfähig bleibt. Langfristig braucht es deshalb Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen und gleichzeitig die Entwicklung von Wohnraum erleichtern.
Wir danken Ihnen für das Interview, Stefan Jönsson.