Finanzmarkt-Fokus

Expertinnen und Experten der LUKB teilen Ihre Einschätzung zu einem spezifischen Anlagethema.

Gold – Schutzschild im Portfolio

Gold hat in den letzten Jahren eindrucksvoll geglänzt und vielen Anlegerinnen und Anlegern kräftige Gewinne beschert. Geopolitische Spannungen, rekordhohe Zentralbankkäufe, Leitzinssenkungen und ein knappes Angebot haben den Goldpreis angetrieben. Seit Anfang März und insbesondere in den letzten Tagen neigte der Goldpreis jedoch zur Schwäche. Verantwortlich dafür sind vor allem die gestiegenen Zinsen, ein stärkerer US-Dollar sowie Goldverkäufe zur Liquiditätsbeschaffung. Die strukturellen Faktoren, die Gold langfristig stützen, sind weiterhin intakt. Ebenso gehen wir davon aus, dass Gold seinen generellen Schutzmechanismus in Krisenzeiten nicht verloren hat.

Goldpreis mit kräftigem Anstieg

In den vergangenen drei Jahren ist der Goldpreis stark gestiegen und hat Anlegerinnen und Anlegern, die Gold im Portfolio hatten, einen schönen Vermögenszuwachs beschert. Gold war eine der Anlageklassen mit der besten Performance. Wie Abbildung 1 zeigt, hat es trotz der jüngsten Korrektur deutlich besser abgeschnitten als beispielsweise Schweizer Aktien.

Abb. 1: Performance von Gold, hedged in CHF, und Schweizer Aktien Index (SPI), per Anfang März 2023 auf 100 indexiert. Quellen: Bloomberg, Luzerner Kantonalbank.
Andreas Müller, Fondsanalyst
«Gold hat in den letzten Jahren besonders geglänzt.»
Andreas Müller, Fondsanalyst

Dass Gold in den letzten 3 Jahren so glänzte, liegt an mehreren globalen Entwicklungen, die gleichzeitig die Nachfrage erhöht haben. Die zunehmenden geopolitischen Spannungen, vom Krieg in der Ukraine über Konflikte im Nahen Osten bis hin zu einer unberechenbaren US‑Politik, haben Gold erneut als sicheren Hafen attraktiv gemacht. Gleichzeitig profitierte Gold von einem schwächeren US-Dollar sowie von Zinssenkungen oder Zinssenkungserwartungen, die die Opportunitätskosten der Goldhaltung senkten. Besonders bedeutend war zudem die rekordhohe Nachfrage von Zentralbanken, die ihre Währungsreserven breiter aufstellen. Ergänzt wurde dies durch eine anhaltend starke Nachfrage privater Anleger, die Gold über ETFs, Barren und Münzen zur stabilen Wertaufbewahrung gesucht haben.

Die jüngste Eskalation im Nahen Osten führte zu einem kräftigen Anstieg des Ölpreises. Die Sorgen, der gestiegene Ölpreis werde die Inflation befeuern, führten zu einem Anstieg der Zinsen und des US-Dollars. Zudem wurden die Erwartungen an Leitzinssenkungen der Fed jäh nach hinten vertagt. Diese Faktoren wirkten sich negativ auf den Goldpreis aus, trotz erhöhter Unsicherheit. Zudem wurden Gewinne auf Gold mitgenommen, um Liquidität zu beschaffen und um Verluste auf andere Portfoliopositionen zu decken.

Strukturelle Faktoren weiterhin intakt

Die strukturellen Faktoren, die den Goldpreis im letzten Jahr nach oben getrieben haben, bleiben auch 2026 intakt. Viele geopolitische Konflikte, etwa im Nahen Osten, zwischen Russland und der Ukraine oder zwischen China und Taiwan, bleiben ungelöst und können Verwerfungen an den Finanzmärkten auslösen. Ebenso führt der rekordhohe US-Schuldenberg und die möglichen Veränderungen in der US-Handelspolitik zu Sorgenfalten. Hinzu kommt, dass zahlreiche Zentralbanken, insbesondere jene aus den Schwellenländern, erst einen kleinen Teil ihrer Reserven in Gold halten und weitere Zukäufe planen, um ihre Devisenreserven breiter zu diversifizieren. Zudem dürfte ihnen das aktuelle Niveau attraktive Kaufgelegenheiten bieten. Auch wenn ein solch kräftiger Kursanstieg wie in den vergangenen zwölf Monaten wenig wahrscheinlich erscheint und Gewinnmitnahmen jederzeit wieder möglich sind, bleibt Gold eine interessante Anlage.

Schutz in turbulenten Zeiten

Eine spezielle Kombination verschiedener Faktoren, darunter ein starker Preisanstieg in den letzten 2 Jahren, Verkäufe zur Liquiditätsgewinnung und plötzlich aufkommende Inflationsängste, haben dazu geführt, dass Gold in den letzten Tagen seinen Schutzmechanismus nicht wie gewohnt wahrnehmen konnte. Wir sind jedoch der Meinung, dass Gold seinen generellen Schutzmechanismus in Krisenzeiten nicht verloren hat.

Gold gilt aufgrund seiner Seltenheit, Beständigkeit und Unvermehrbarkeit seit jeher als verlässliches Wertaufbewahrungsmittel. Im Gegensatz zu Papiergeld, das durch Inflation an Kaufkraft verlieren kann, bietet Gold langfristigen Schutz vor Entwertung. Gleichzeitig fungiert Gold als Krisenschutz. Kommt es an den Finanzmärkten zu Turbulenzen, steigt in der Regel die Unsicherheit und Angst bei den Anlegerinnen und Anlegern, was zu erhöhter Nachfrage nach sicheren Häfen führt. Während andere Anlagen in solchen Phasen oft unter Druck geraten, bleibt Gold meist stabil oder gewinnt sogar an Wert. Dieser Diversifikationseffekt macht das Edelmetall zu einer attraktiven Beimischung im Portfolio. Wie Abbildung 2 zeigt, hat Gold bei grösseren Aktienmarktkorrekturen häufig einen wirksamen Schutzbeitrag geleistet.

Abb. 2: Diversifikationsvorteile und Schutz durch Gold. Tech-Krise: Aug. 2000 - März 2003, globale Finanzkrise: Juni 2007 - März 2009, Covid-Krise: Feb. 2020 - März 2020, Stil-Rotation und Ukraine Krieg: Dez. 2021 - März 2022. Quellen: Bloomberg, Luzerner Kantonalbank.

Ein wichtiger Aspekt, der dem Gold ebenfalls zugutekommt, ist das seltene Vorkommen bzw. das limitierte Angebot.

Angebot bleibt knapp

Trotz hoher Nachfrage wächst das weltweite Goldangebot nur sehr langsam. In den letzten zehn Jahren nahm die verfügbare Menge aus Minenproduktion und Recycling durchschnittlich lediglich um rund 1–2 % pro Jahr zu. Während Recycling aufgrund der hohen Goldnotierungen attraktiver geworden ist und stark angestiegen ist, kann die Minenförderung nur ganz langsam ausgedehnt werden. Die Tatsache, dass das gesamte weltweit je geförderte Gold gerade einmal einem Würfel mit einer Kantenlänge von rund 22.4 Metern entspricht, zeigt, wie begrenzt das Angebot ist. Wenn eine hohe Nachfrage auf ein limitiertes Gut trifft, steigt der Preis. Die geringe Angebotsausweitung ist ein weiterer Grund, warum der Goldpreis über die Zeit steigt.

Thomas Eyer, Fondsanalyst
«Gold ist eine spannende Ergänzung für ein Portfolio.»
Thomas Eyer, Fondsanalyst

Die intakte Nachfrage nach Gold und die spezifischen Charaktereigenschaften machen das gelbe Metall zu einem spannenden Portfoliobaustein mit guten Diversifikationseigenschaften. Eine Beimischung von Gold hat in den letzten Jahren die Portfoliorendite erhöht und gleichzeitig die Volatilität gesenkt. In einem ausgewogenen Portfolio ist eine strategische Position von 5 % Gold sinnvoll. Für Anlegerinnen und Anleger ohne bestehende Goldposition kann ein Aufbau interessant sein. Wer hingegen bereits seit Längerem investiert ist und von der starken Entwicklung der vergangenen drei Jahre profitiert hat, sollte prüfen, ob ein Rebalancing sinnvoll ist, um Gewinne mitzunehmen und das Portfolio wieder ins Zielgewicht zu bringen.

So investieren Sie in Gold

Der schnellste und einfachste Zugang zu Gold kann über den Kauf eines Gold-ETFs oder -Fonds erfolgen. Diese halten das Gold physisch. Dieses wird separat und in sicheren Tresoren verwahrt. Die meisten Fonds und ETFs erlauben heute eine Sachauslieferung des Goldes, wobei jeweils die Mindestgrösse der Goldbarren sowie die Kosten zu beachten sind. Weiter gibt es die Möglichkeit zum Kauf von Gold in einem Metallkonto, in welches das Gold buchwertmässig eingebucht wird. Wer Gold lieber physisch zu Hause oder in einem Banksafe aufbewahren möchte, kann bei der Hausbank physische Barren oder auch Münzen erwerben. Diese Methode ist jedoch aufwendiger (Transport, Versicherung etc.) und kostspieliger.


Fazit: Gold eignet sich als Diversifikator

Gold ist für Anlegerinnen und Anleger aufgrund seiner Eigenschaften wie Krisenschutz und Wertbeständigkeit interessant. Die positiven Diversifikationseigenschaften machen Gold zu einer attraktiven Beimischung in einem Portfolio. Allerdings sollten sich Anlegerinnen und Anleger bewusst sein, dass eine hohe Performance bei Gold nicht im Vordergrund steht. Vielmehr hat das Edelmetall die Funktion, dem Portfolio Sicherheit beizumischen.




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