Die LUKB-Experten blicken auf ein aktuelles Thema und ordnen es für Sie ein.
Nächsten Donnerstag richten sich die Blicke der Finanzmarktakteure auf die Schweizerische Nationalbank SNB. Dann gibt diese ihren Zinsentscheid bekannt. Hierbei erwarten wir und die Mehrheit der Marktteilnehmer, dass sie den Leitzins auf dem Niveau von 0% belassen wird. Von besonderem Interesse ist der Pressekommentar zur Zinsentscheidung, der Hinweise auf die künftige Zinspolitik enthalten könnte.
Die SNB sitzt im Vergleich zu anderen Zentralbanken in einer komfortablen Position, denn die Inflation befindet sich auf niedrigem Niveau. Im August betrug die Teuerungsrate 0.8% und liegt damit im Zielband der SNB, das von 0% bis 2% reicht. Doch die Inflation dürfte in den nächsten Monaten weiter steigen. Kurzfristig sind es vor allem die höheren Energiepreise, die aufgrund des anhaltenden Konflikts am Persischen Golf für Aufwärtsschub sorgen. So erwarten wir, dass die Teuerungsrate in den nächsten Monaten auf gut 1% steigen wird. Gleichzeitig wächst die Schweizer Wirtschaft deutlich kräftiger als bislang erwartet - und das trotz aller geopolitischen Widrigkeiten. Zudem ist sie breit abgestützt, denn sowohl der Konsum als auch die Investitionen tragen positiv zum Wachstum bei. Sie dürften die Wirtschaft auch in den nächsten Quartalen stützen. Vor diesem Hintergrund erwarten wir, dass die SNB am kommenden Donnerstag die Tür für künftige Zinsanhebungen öffnen wird.
Wir halten es für wahrscheinlich, dass die Schweizer Währungshüter den Leitzins in den nächsten zwölf Monaten in zwei Schritten um jeweils 0.25 Prozentpunkte auf 0.5% anheben werden. Die Geldpolitik würde damit immer noch expansiv bleiben und die Wirtschaft stützen. Der erste Zinsschritt könnte dabei bereits im Dezember erfolgen. Des einen Freud ist des anderen Leid: Während Sparer hiervon profitieren werden, verteuern sich beispielsweise für Käuferinnen und Käufer von Eigenheimen die Finanzierungskosten.
Die Schweizer Währungshüter sind in keiner Eile, den Leitzins anzuheben. Denn die Inflation befindet sich trotz des Anstiegs noch auf moderatem Niveau. Dennoch dürften die Zentralbanker Zinsanhebungen ins Visier nehmen. Der erste Zinsschritt könnte schon im Dezember erfolgen.
Brian Mandt, Chefökonom, 19. September 2026