Finanzthema der Woche

Die LUKB-Experten blicken auf ein aktuelles Thema und ordnen es für Sie ein.

Woche der Weichenstellungen

Memorandum-Momentum

Manchmal geht es am Ende dann doch recht schnell. So geschehen in der zurückliegenden Handelswoche mit dem Memorandum zwischen USA und Iran, das bereits am Mittwoch unterzeichnet wurde. Nun beginnt die schwierige Phase, die Details eines langfristigen Abkommens festzuzurren. Die Finanzmärkte sind sich recht sicher, dass die Themen Irankrieg und Sperrung der Strasse von Hormus damit auf absehbare Zeit vom Tisch sind. Der Ölpreis notiert mit ca. 80 US-Dollar rund 12% tiefer als vor einer Woche und damit fast schon wieder auf dem Niveau vom Kriegsbeginn Anfang März. An den Anleihemärkten führte dies zu einem markanten Renditerückgang, während die Aktienmärkte deutlich zulegten.

Zentralbanken warten (meist) ab

Die Zentralbanken, die in der vergangenen Woche tagten, nahmen im Wesentlichen die erwarteten Handlungen vor. In Japan ging es mit einer Zinserhöhung auf 1% auf das mittlerweile höchste Leitzinsniveau seit den frühen 1990er Jahren. Die US-Notenbank hielt hingegen still, liess jedoch durchblicken, dass ihre Leitzinsen aus heutiger Sicht eher wieder steigen als sinken dürften. Bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) schliesslich blieb es beim Nullzins-Niveau. Das dürfte auch noch geraume Zeit so bleiben. Erst wenn sich wieder eine deutlichere Konjunkturerholung abzeichnet, dürfte die SNB-Zinserhöhungen ins Auge fassen. Das wird aus unserer Sicht frühestens im kommenden Jahr der Fall sein.

Zwischen Frieden und hohen Bewertungen

Aus Sicht der Weltwirtschaft kommt es nun darauf an, ob und wie schnell sich die Schifffahrt in der Strasse von Hormus wieder in Richtung Normalbetrieb bewegt. Das Risiko von negativen Wachstumsschocks aufgrund der Blockade ist zumindest deutlich gesunken, wenngleich weiterhin präsent. Auch für die Finanzmärkte ist das ein positiver Faktor. Demgegenüber steht die zum Teil recht grosse Euphorie in einigen Bereichen der Aktienmärkte, die die Erwartungen und Bewertungen deutlich hat steigen lassen. Raum für Enttäuschungen ist hier ebenfalls gegeben.

Ölpreisentwicklung 2026

Der Ölpreis hat im Jahr 2026 eine Achterbahnfahrt hinter sich. Lag er zum Jahresstart noch bei rund 60 US-Dollar, stieg er mit dem Ausbruch des Irankriegs zwischenzeitlich auf fast 120 US-Dollar. Dank der Entspannungssignale hat sich der Preis seit Mitte Mai deutlich zurückgebildet und liegt aktuell bereits wieder bei der Marke von rund 80 US-Dollar. Auch für die Weltwirtschaft hat sich damit ein grosses Risiko vorerst entspannt.

Björn Eberhardt, Leiter Investment Office, 20. Juni 2026

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v. l. n. r. Björn Eberhardt (Leiter Investment Office), Brian Mandt (Chefökonom), Marc Häfliger (Anlagestratege), Reto Lötscher (Leiter Finanzanalyse)

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