Die LUKB-Experten blicken auf ein aktuelles Thema und ordnen es für Sie ein.
Der Irankrieg und seine Folgen für die globale Energieversorgung halten die Finanzmärkte weiterhin in Atem. Immerhin gibt es eine, wenn auch fragile, Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. Zudem signalisieren die Kriegsparteien Verhandlungsbereitschaft. Doch das Warten darauf, ob, wann und wie die für die globale Energieversorgung wichtige Strasse von Hormus wieder frei passierbar wird, hält an.
Die Folgen des Irankrieges sind weltweit spürbar. So beeinträchtigen die gestiegenen Öl- und Gaspreise auch die Schweizer Wirtschaft. Doch wie stark, hängt auch von dem Energieverbrauch und dem Energiemix ab. In der Schweiz sank der Primärenergieverbrauch pro Person zwischen 1990 und 2024 um gut 23%. Gründe sind u.a. die umwelt- und klimapolitischen Massnahmen, die schrittweise verschärft wurden. Sie trugen dazu bei, dass z.B. die Industrie energieeffizienter produziert und im Verkehr effizientere Motoren eingesetzt werden. Die meiste Energie weltweit wird in Form von den fossilen Energieträgern Gas, Kohle und Öl verbraucht. In der Schweiz betrug ihr Anteil 2024 43% am gesamten Pro-Kopf-Energieverbrauch. Das ist im Ländervergleich niedrig. So beträgt er in den USA gut 80%. Dagegen ist der Anteil der erneuerbaren Energien, wie Wasserkraft, hierzulande mit fast 40% signifikant höher als in anderen Ländern. Zudem geht die Schweiz effizienter mit Energie um. Per Saldo macht das die Schweiz weniger abhängig von Verwerfungen an den globalen Energiemärkten.
Für die Schweiz erwarten wir für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1.1%. Das setzt jedoch voraus, dass die Strasse von Hormus bis Ende des 2. Quartals wieder passierbar wird. In diesem Szenario könnten die Öl- und Gasexporte aus dem Persischen Golf in bis zu drei Quartalen ihre Vorkrisenniveaus erreichen und die Energiepreise sollten fallen. Somit dürfte es nur zu einem temporären Inflationsanstieg kommen. Im Jahr 2026 erwarten wir eine durchschnittliche Teuerungsrate von 0.8%, nach 0.2% im letzten Jahr. (Weitere Infos unter lukb.ch/private/anlegen/einschaetzung-finanzmaerkte).
Die Energieintensität zeigt, wie viel Öl und Gas im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung (BIP) verbraucht wird. In der Schweiz ist die Energieintensität von 1995 bis 2025 von rund 33 Tonnen Öläquivalente (toe) pro Mio. US-Dollar BIP auf gut 13 toe pro Mio. US-Dollar BIP gesunken. Die Energieeffizienz hat sich also verbessert. In den USA und China lag die Energieintensität 2025 dagegen mit knapp 54 bzw. gut 56 toe pro Mio. US-Dollar BIP deutlich höher. Gleichwohl nahm auch in diesen Ländern die Energieintensität ab.
Brian Mandt, Chefökonom, 18. April 2026