Finanzthema der Woche

Die LUKB-Experten blicken auf ein aktuelles Thema und ordnen es für Sie ein.

Warum Japans Notenbank die Märkte derzeit beschäftigt

Renditen weiterhin im Höhenflug

Die Finanzmärkte haben den September mit etwas erhöhter Nervosität begonnen. Vor allem ein erneuter Anstieg der Renditen für Staatsanleihen sorgte zum Wochenauftakt für Unruhe. Gründe dafür finden sich einige: Zum einen betonte Kevin Warsh, Chef der US-Notenbank, die Inflationsgefahren. An den Märkten wurde dies so interpretiert, dass er für eine US-Leitzinserhöhung im September stimmen könnte. Ferner verschärfte sich die Lage im Nahen Osten mit den gegenseitigen Angriffen von USA und Iran, was den Ölpreis und damit die Inflationssorgen wieder steigen liess. Schliesslich äusserte der US-Finanzminister Scott Bessent seine Erwartung, dass die japanische Notenbank «das Richtige» tun würde, womit er höhere Leitzinsen in Japan meinte.

Japan im Fokus

Warum aber schauen die Finanzmärkte derzeit so gebannt auf Japan? Das dürfte u.a. daran liegen, dass Japan der grösste ausländische Gläubiger der USA ist und mit 1.1 Bio. US-Dollar mehr als zehn Prozent aller von Ausländern gehaltenen US-Staatsanleihen besitzt. Amerika hat also ein Interesse daran, dass die Nachfrage der Japaner nach US-Staatsanleihen nicht plötzlich nachlässt. Um das zu erreichen, ist die japanische Notenbank zentral: Hebt sie den Leitzins an, hat das zwei Effekte - es dämpft die Inflationserwartungen und kann damit einen weiteren Anstieg der langfristigen Anleiherenditen in Japan begrenzen. Würden sie zu sehr steigen, könnte das die relative Attraktivität von US-Anleihen reduzieren. Der zweite Effekt ist, dass die Absicherungskosten gegen Wechselkursrisiken aus japanischer Sicht sinken - denn diese hängen wesentlich von der Zinsdifferenz USA-Japan ab. Abgesicherte US-Anlagen werden damit relativ interessanter. Aus diesen Gründen ist eine geordnete Normalisierung der japanischen Geldpolitik auch im Interesse der USA.

Zinsentscheidungen mit grossem Einfluss

Die nächste Zinsentscheidung der Bank of Japan steht in knapp zwei Wochen an, nur kurz nach der US-Notenbank. Die Märkte gehen mittlerweile von einer japanischen Zinserhöhung im September und möglicherweise einer weiteren im Dezember aus. Aufgrund der globalen Bedeutung wartet die Finanzwelt gespannt auf diese Entscheidungen.

 

Wechselkurs des japanischen Yen

Der japanische Yen ist ein wichtiger Einflussfaktor für die globalen Märkte. Jahrzehnte tiefer Zinsen haben u.a. dazu geführt, dass Yen-Kredite genutzt wurden, um Vermögenswerte ausserhalb Japans zu erwerben. Wertet der Yen auf, wird die Rückzahlung der Kredite teurer. Anlegende könnten darauf mit Verkäufen der Vermögenswerte und einer Rückzahlung der Kredite reagieren, was den Yen weiter aufwerten liesse. Dieser Rückkopplungseffekt kann Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten verstärken.

Björn Eberhardt, Leiter Investment Office, 5. September 2026

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v. l. n. r. Björn Eberhardt (Leiter Investment Office), Brian Mandt (Chefökonom), Marc Häfliger (Anlagestratege), Reto Lötscher (Leiter Finanzanalyse)

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