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Einen Anlagenotstand erfahren nur Sparer oder Anleger, die nicht in Realwerte investieren. Wertschwankungen lassen sich mit selektivem Vorgehen und cleverer Diversifikation spürbar reduzieren.
Donald Trumps Zollpolitik, zunehmende Handelsstreitigkeiten mit Auswirkungen auf Lieferketten sowie sich verschärfende geopolitische Spannungen sind nur einige Gründe, weshalb die Schweiz als sicherer Hafen wieder begehrt ist. Um einer noch stärkeren Aufwertung des Schweizer Frankens entgegenzuwirken, blieb der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in der Folge keine andere Wahl, als den SNB-Leitzins wieder auf null zu senken. Für eine bereits durch US-Zölle stark unter Druck stehende Exportindustrie ist dies überlebenswichtig.
Die Tiefzinsinsel Schweiz bedeutet für Sparende und Anlegende allerdings, dass Kontoguthaben kaum mehr verzinst werden und sich auch mit sicheren CHF-Staatsanleihen praktisch kein Geld mehr verdienen lässt - teilweise werden sie sogar negativ verzinst. Nach Abzug der Inflation droht damit ein Verlust der Kaufkraft.
Vielerorts ist daher wieder von einem Anlagenotstand die Rede, doch eigentlich sind in erster Linie die Sparenden betroffen, die ihr Geld auf dem Konto haben. Für Anlegende gibt es hingegen noch genügend andere Anlageformen mit intakten Renditeperspektiven und vernünftiger Bewertung.
Es liegt in der Natur der Finanzmärkte, dass die meisten Anlagen höhere Risiken beinhalten als Kontoguthaben und Staatsanleihen in CHF. Doch dafür werden Anlegende üblicherweise mit einer höheren Renditeperspektive - auch Risikoprämie genannt - entschädigt, zumindest über einen längeren Zeithorizont.
Um den in vielen Anlageklassen und Anlageformen inhärenten höheren Wertschwankungen entgegenzuwirken, empfiehlt es sich auch im aktuellen Umfeld, auf eine clevere, genügend breite Diversifikation der Anlagen zu setzen und verschiedene Anlageklassen gezielt einzubeziehen. Diese verhalten sich in verschiedenen Marktzyklen grundsätzlich unterschiedlich, was meistens zu der gewünschten Abfederung der Vermögensschwankungen im gesamten Portfolio führt.
Es ist ausreichend belegt, dass der Versuch, längerfristig eine überdurchschnittliche Rendite allein durch kurzfristiges Timing zwischen Cash und z. B. einzelnen Aktien zu erzielen, regelmässig schief geht. Robust konstruierte, clever diversifizierte Portfolios, die in ihrer Grundstruktur über einen längeren Zeithorizont beibehalten werden, erzeugen hingegen mehrheitlich nicht nur geringere Vermögensschwankungen, sondern auch eine deutlich bessere Rendite im Verhältnis zum eingegangenen Risiko.
Um das eigene Vermögen mittelfristig weiter aufzubauen, führt dabei kein Weg an Real- bzw. Sachwerten wie Aktien, Immobilien oder Anlagen in Rohstoffen vorbei. Denn mit Nominalwerten allein dürfte es schwierig werden, nur schon die Kaufkraft zu sichern. Gerade im aktuellen Marktumfeld wird es sich auszahlen, bei der Auswahl der Anlagen analytisch, selektiv und gezielt vorzugehen. Sonst bleiben am Ende nur Risiken im Portfolio, nicht aber die angestrebte Rendite.
Das Anleger-Jahr 2025 war geprägt von Verunsicherungen. Aufgrund dessen hat der Schweizer Franken und die Schweiz als Land an Attraktivität gewonnen. Die Einschätzung von Stefan Angele, Leiter Asset Management.