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3. Säule – heute an später denken

Wie Sie Ihre Vorsorge zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr anpacken

Für morgen sorgen heisst, sich heute um die Vorsorge zu kümmern. Der Auslöser für eine umsichtige Planung sind oft grosse Ereignisse: Familiengründung, Start in die Selbstständigkeit oder Kauf von Wohneigentum.

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Kinder haben eine herrliche Gabe: Sie können vollständig in die Gegenwart eintauchen und alles um sich herum vergessen. Frei von Zukunftsängsten und ohne einen Gedanken an morgen – sicher haben Sie sich diese Eigenschaft auch schon zurückgewünscht. Das Kind in sich am Leben halten muss jeder Erwachsene selber, für die Unbeschwertheit lassen sich aber konkrete Massnahmen ergreifen. Und zwar schon recht früh im Leben. 

30. bis 40. Lebensjahr: Die Basis wird gelegt

Zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr festigen wir unsere Persönlichkeit und treffen einige grosse Entscheidungen, zum Beispiel in Sachen Wohnort oder Partnerwahl. In der darauffolgenden Lebensphase, in den 30ern, stellen wir die Weichen. Wir gründen eine Familie, wir machen Karriere, wir kaufen ein Haus. Oder: Wir entscheiden uns bewusst für alternative Lebensformen. Zwischen 30 und 40 Jahren spüren wir auch erste Anzeichen von Alterung im Körper. All dies sind für viele Menschen Treiber, sich erstmals gründlich mit der eigenen Vorsorge auseinanderzusetzen. Doch was ist das überhaupt, Vorsorge? Vereinfacht gesagt beinhaltet Vorsorge zwei verschiedene Aspekte: sparen und absichern. 

Sparen für die Zukunft heisst Konsumverzicht heute

Zugegeben: Anfang 30 möchte niemand wirklich ans Pensionsalter denken. Es ist die Zeit, in der viele im Arbeitsleben aufblühen, sich entfalten, mehr Verantwortung übernehmen – und in der meistens auch der Lohn steigt. Das heisst, es ist eben doch ein guter Zeitpunkt, um sich mit der Pension – genauer gesagt mit dem Alterskapital – zu beschäftigen. Neben der staatlichen (1. Säule) und der beruflichen Vorsorge (2. Säule) haben Sie die Möglichkeit, eine private Vorsorge (3. Säule) aufzubauen. Wer keine eigene Vorsorge betreibt, muss davon ausgehen, dass er oder sie im Rentenalter bis zu 40 Prozent weniger Einkommen hat als vorher im Berufsleben. 

Wer auf ein Vorsorgekonto (Säule 3a) einzahlt, profitiert von steuerlichen Anreizen: Bis zu 6'883 Franken pro Jahr (Stand 2021) können Sie von Ihrem steuerbaren Einkommen abziehen. Je früher Sie damit beginnen, desto mehr Kapital wird durch den Zinseszinseffekt im Alter vorhanden sein. Das gilt auch, wenn es zu Beginn nur kleine Beträge sind. Warten Sie nicht, weil Sie glauben, es lohne sich noch nicht. Erreicht Ihr Vorsorgekonto einen Stand von ungefähr 40'000 Franken, empfiehlt sich die Eröffnung eines zweiten Säule-3a-Kontos. Sie sparen damit Steuern, weil Sie die Gelder bei der Pensionierung gestaffelt beziehen können.

Alternativ haben Sie die Möglichkeit, in einen Vorsorgefonds mit einem gewissen Aktienanteil (wählbar von klein bis hoch) zu investieren. Das ist ratsam, wenn Sie für Ihr Vorsorgegeld eine höhere Rendite anstreben. Investitionen in einen Vorsorgefonds sind den Schwankungen der Finanzmärkte ausgesetzt und deswegen mit einem finanziellen Risiko verbunden.

Vorsorge braucht Zuversicht

Natürlich können Sie Ihr Alterskapital auch auf ein normales Sparkonto – ein sogenanntes Sparkonto Säule 3b – einzahlen und dieses bis zur Pensionierung regelmässig füttern. Eine Säule-3a-Lösung bietet demgegenüber Vorteile wie etwa die steuerliche Abzugsfähigkeit der Beiträge. Zudem sind Banken und Versicherungen vom Staat angehalten, Anlagerichtlinien einzuhalten und regelmässig zu überprüfen. Auf der anderen Seite nehmen Sie gewisse Restriktionen in Kauf. Das Geld in der Säule 3a ist gebunden; es darf nur in bestimmten Fällen (beispielsweise beim Kauf von Wohneigentum oder zur beruflichen Selbstständigkeit) bereits vor der Pensionierung bezogen werden. Eine 3a-Lösung braucht deswegen ein wenig Zuversicht: Sie müssen darauf vertrauen, dass Sie auf dieses Geld tatsächlich bis zur Pensionierung verzichten können. Auf der anderen Seite hilft Ihnen die Säule 3a beim Sparen, weil das Geld nicht für Spontaninvestitionen zur Verfügung steht.

Bevor Sie in die 3. Säule einzahlen, sollten Sie ausrechnen, wie viel Geld Sie jährlich auf die Seite legen können. Erstellen Sie dazu ein Budget. Legen Sie ein Polster von drei bis sechs Monatsausgaben an. Das ist Geld, welches Sie für Unvorhergesehenes immer liquid halten sollten. Der nun freie Sparfranken – berücksichtigt mit weiteren Geldzuflüssen (zum Beispiel Erbschaften) oder Geldabflüssen (zum Beispiel für eine Weiterbildung) – kann entsprechend Ihren Zielen investiert werden. 

Absicherung für Ungeplantes

Und dann gibt es diesen anderen Aspekt der Vorsorge, der vielfach vergessen geht: die Absicherung. Diese wird häufig zum Thema, wenn Sie Kinder kriegen oder Ihre Partnerschaft absichern wollen. Dann übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Familienmitglieder, Ihren Partner oder Ihre Partnerin. Es stellen sich etwa folgende Fragen: Wie ist die Familie finanziell abgesichert, sollte der Hauptverdienende einmal ausfallen? Wie steht es um die Vorsorge bei Invalidität oder Todesfall des Partners beziehungsweise der Partnerin?

Wenn Sie als Vater oder Mutter einen Grossteil der Kinderbetreuung übernehmen und überhaupt nicht oder reduziert erwerbstätig sind, nimmt mit dem niedrigeren Lohn auch Ihre Vorsorgeleistung ab. Bei Invalidität oder im Todesfall verringern sich die Leistungen der Pensionskasse oder fallen gar weg, weil der versicherte Lohn nicht mehr dem vorigen Level entspricht. 

Bei einem Grossteil der Schweizer Bevölkerung weist die Absicherung bei Invalidität oder Tod Vorsorgelücken auf. Mit einer Vorsorgeanalyse können Sie Ihre Lücken sichtbar machen. Geschlossen werden können allfällige Einkommenslücken mit einer Risikoversicherung.

Vorsorge ist mehr als eine Unterschrift auf einem Blatt Papier

Besonders wichtig ist, dass Sie die Vorsorge auf verschiedenen Säulen (1. bis 3.) aufbauen. Finden Sie heraus, was wirklich zu Ihnen passt, indem Sie Ihre gesamte Situation betrachten. Dazu gehören der familiäre und der berufliche Hintergrund genauso wie das bestehende Vermögen, das Sparpotenzial und natürlich Ihre Zukunftsziele. Wer sich selbstständig machen oder ein Eigenheim kaufen will, wird die Vorsorge anders planen, als wer eine Familie gründet und reduziert erwerbstätig ist. Eine Vorsorgeberatung kann Ihnen helfen, sich gründlich zu informieren und zu entscheiden.

Zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr werden wichtige Weichen gestellt – auch in Sachen Vorsorge. Wer sich frühzeitig Gedanken macht, sich informiert und die Basis richtig legt, steigert seine Chancen auf ein Rentenalter ohne allzu grosse Entbehrungen und finanzielle Sorgen enorm. Und denken Sie daran: Das Leben ist dynamisch – passen Sie die Vorsorge Ihren wechselnden Bedürfnissen an.

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Ratgeber-Vorsorge-Heute an später denken-Das 3-Säulen-Modell

Das 3-Säulen-Modell
Die Schweizer Altersvorsorge beruht auf 3 Säulen. Die Alters- und Hinterlassenenversicherung AHV und die Invalidenversicherung IV bilden zusammen mit den Ergänzungsleistungen die 1. Säule (staatliche Vorsorge). Sie soll den Existenzbedarf im Alter sichern, schützt im Invaliditätsfall und sichert die Hinterbliebenen im Todesfall. Die 2. Säule (berufliche Vorsorge, Pensionskasse) versichert alle Arbeitnehmenden, die schon in der 1. Säule versichert sind und mindestens 21'510 Franken im Jahr verdienen (Stand 2021). Die 1. und die 2. Säule sind obligatorisch und decken zusammen rund 60 Prozent des zuletzt bezogenen Lohns ab. Die 3. Säule ist die freiwillige private Vorsorge. Sie lässt sich durch verschiedene Spar- und Versicherungslösungen individuell gestalten. Es wird unterschieden zwischen der gebundenen Säule 3a und der freien Säule 3b.

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